Ungarn - ein historisches europäisches WEINLAND

Ungarn Karte Weinbauregionen und Weinbaugebiete

Lage, Größe, Vielfalt

Das Weinland Ungarn befindet sich im nördlichen Teil des europäischen Weingürtels, in dem für den Weinbau vorteilhaften geschützten Karpatenbecken. Mit ca. 69.300 ha (in 2014) liegt die Anbaufläche zwischen denen von Deutschland und Österreich. Eine Besonderheit ist die Vielfalt an ungarischen Weinen, die sich zum einen aus der Vielzahl von Bodenarten erklärt. Da sind die vulkanische Böden wie man sie in ihrer Unterschiedlichkeit auf so kleinem Raum europaweit wohl nur hier antrifft. Doch es gibt auch Löß-oder kalkhaltige Böden. Sandböden mit einem hohem Eisengehalt bereichern die Möglichkeiten für den Weinbau in Ungarn. Weiterhin ist es die Vielzahl die angebauten Rebsorten, die neugierig auf das  ungarische Weinland machen. Neben Reben die weltweit geschätzt sind, sind es zunehmend die eher klassischen ungarischen Rebsorten wie Furmint, Welschriesling, Blaustengler, Juhfark, Kadarka, Kékfrankos ... ,die die Aufmerksamkeit der Winzer erhalten. Eine lange Tradition hat das Keltern von Cuvée-Weinen - wer hat nicht schon vom legendären Stierblut gehört. Bezogen auf die Anbaufläche liegt der Anteil der Rotweine bei etwa 30 % mit steigender Tendenz. Diese Vielfalt erklärt, warum im Weinland Ungarn 22 Anbaugebiete unterschieden werden: Csongrád, Hajos-Baja, Kunság, Neszmély, Badacsony, Balatonfüred-Csopak, Balaton-felvidék, Etyek-Buda, Mór, Pannonhalma, Nagy-Somló, Sopron, Balatonboglár, Pécs, Szekszárd, Villány, Bükk, Eger, Mátra, Tokaj, Zala, Tolna.

Klima

Die Wärme des Kontinentalklimas, eine jährliche Sonnenscheinstundenanzahl von durchschnittlich über 2000, Niederschlagsmengen in noch ausreichender Höhe, dabei glücklicherweise meistens in den für die Vegetation nützlichen Zeiten, lassen die Reben in den Weingärten Ungarns gut gedeihen. Deutliche Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht und Erfrischung bringende Winde unterstützen die Rebstöcke beim Abbau von Trockenheits- und Hitzestress. Dank dieser klimatischen Verhältnisse entsteht das für ungarische Weine typische Spiel von Frucht und Säure. Ein Temperaturunterschied von etwa zwei Grad zwischen den nördlichen und südlichsten Anbaugebieten befördert die Vielfalt an ungarischen Weinen von spritzigen und eleganten über fruchtbetonte bis hin zu dichten, gehaltvollen Weinen. Mit der Region Tokaj hat Ungarn eine besondere Spezialität. Der im Herbst aus den Flüssen Theiß und Bodrog aufsteigende Frühnebel befeuert dort die erwünschte Wirkung der Edelfäule Botryris cinerea auf die Weinbeeren. Und Winzerskunst lässt dann durch den Ausbau dieses besonderen Lesegutes die legendären edelsüßen Aszú Weine werden.

Gesellschaftliche Wertschätzung

Nach dem Thema Fussball reden die Ungarn vielleicht am meisten über ihren guten Wein. Wenn Kochsendungen in Deutschland häufig im Fernsehen zu erleben sind, so sind in Ungarn Berichte über den heimischen Rebensaft sehr beliebt. Vielleicht sind die besten ungarischen Winzer (noch) nicht so bekannt wie Popstars, aber ihre Namen dürften die Menschen eher kennen, als die ihrer Politiker.    

Der Weinkonsum liegt bei ca. 25 Liter pro Jahr und Kopf und ist damit ähnlich groß wie in Deutschland. Zu den Besonderheiten zählt, dass sich der Markt zwischen trockenen, halbtrockenen, halbsüßen und süßen Weinen etwa gleich aufteilt. Der ungarische Weinfreund ist sehr preissensibel, doch es besteht eine breite Streuung. Etwa 60% der Käufe liegen bei bis zu ca. 3 € je Flasche, aber 10 % der Weinliebhaber ist auch bereit mehr als 15 € für einen guten Tropfen zu zahlen. Neben dem Preis und der Anbauregion wird bewußt darauf gesehen, aus welcher Kellerei der Wein stammt. In Summe brauchen sich die ungarischen Winzer nicht um die Verwertung sorgen. 94% aller in Ungarn getrunkenen Weine sind heimische Weine, über 20% der Erzeugung geht ins Ausland.

Geschichte

Wenn ein Stück Erde so günstige Voraussetzungen für den Weinanbau hat wie Ungarn, erklärt es sich, dass hier schon die Kelten und die Römer Wein angebaut haben. Nach der Christianisierung gewann der Weinbau merklich an Bedeutung. Benediktiner Mönche, auch Italiener, Wallonen, deutsche Weinbauern ... brachten ihre Erfahrungen mit und fanden in Ungarn ihr Glück. Im Gegenzug wurden ihre Weine von den europäichen Herrschern und Künstlern sehr geschätzt und gelangten in die Keller der Könige und Zaren. Eigentlich verwundert es nur, dass wir heute so wenig über dieses vor unserer Haustür liegende Weinland wissen.

Leider war diese blühende Entwicklung nicht ohne Rückschläge: im 16. und 17. Jahrhundert waren große Landesteile von den Weinbau weniger schätzenden Osmanen besetzt; nach 1755 belegten die Habsburger die ungarische Weinausfuhr mit hohen Zöllen; auch in Ungarn richtete der Reblausbefall Ende des 19. Jahrhunderts großen Schaden an; in Folge des ersten Weltkrieges und der Entmachtung des Adles gingen zahlreiche Handelsbeziehungen verloren und der zweite Weltkrieg mit der anschließenden kollektivistischen Massenproduktion für den Ostmarkt schwächten den Qualitätsweinbau enorm.

Um so mehr können wir uns seit den 90iger Jahren am Neustart ungarischer Winzer (-Familien) erfreuen, Sie verfügen über ein modernes Fachwissen, fokussieren auf Qualitätsweine und konnten ihre Weinkeller mit moderner Technik ausstatten. So kann der ungarische Weinbau wieder den Platz in Europa zurück erlangen, den das Potential bietet. Eine Besonderheit ist die relative Kapitalschwäche der ungarischen Wirtschaft überhaupt, was sich beim Weinbau über kleinere, vorzugsweise Familienbetriebe ausgleichen lies. Vielleicht erwächst gerade aus letzterem ein Vorteil. Heute wo immer stärker auf Authentizität und Fenisse geachtet wird, kann gerade die individuelle handwerkliche Winzerkunst kleinerer famileinegefühter Weingüter die vielfältigen Möglichkeiten des Weinlandes Ungarn vorteilhaft abbilden.

Faktisch näher als noch oftmals gefühlt

Beim Blättern in der gängigen Weinliteratur findet man aktuell noch wenig über die osteuropäischen Weinbauländer. Schade! Dabei sind uns diese Weingärten so nahe. Als Anregung zum Aufbruch haben wir einige Luftlinienentfernungen zusammengetragen: zwischen Berlin und Tokaj liegen ca. 750 km oder zwischen Berlin und Sopron gar nur ca. 584 km. Im Vergleich dazu Berlin/Bordeaux mit ca. 1333 km, oder Berlin/Toskana auch schon ca. 986 km.

O.k. Ungarisch ist eine schwierige Sprache, aber zum Glück sind viele Winzer international ausgebildet und in zahlreichen Weinorten entdeckt man gelebte Erinnerungen an deutsche Vorfahren.

Die Winzer haben sich auf den Weg gemacht

Dank positiver Rahmenbedingungen gab es einen Ruck unter den ungarischen Winzern. Geschützte Eigentumsrechte und öffentliche Förderung insbesondere auch seitens der EU lassen Träume Wirklichkeit werden. Das Gesamtbild ist widersprüchlich, statistischen Zeitreihen verdecken etwas den erfolgten qualitativen Wandel, denn danach hat sich seit dem letzten kommunistischen Jahrzehnt die Weinerzeugung etwa halbiert bzw. die Anbaufläche deutlich verringert. Dahinter steckt jedoch die gewünschte Abkehr von der Massenproduktion hin zu durch Winzerpersönlichkeiten geführten Weinanbau. Viele Weingärten wurden gerodet, doch seit fast 10 Jahren nehmen die von Einzelbetrieben betreuten Flächen zu. Die Winzerausbildung entspricht heutigen Erkenntnissen. Vielen junge Winzer haben einige Semester im Ausland beispielsweise in Geisenheim studiert oder waren auf Wanderschaft in den großen Weinbauregionen dieser Erde. Jetzt entdecken sie zuhause IHRE Stärken.

Die Qualität macht es

Der Hof von Versailles, die Preußen Könige, die russischen Zaren, ... schwärmten vom Tokajer, Maria Theresia schätzte die Weine aus Somló. Im Großen Ungarischen Weinatlas wird berichtet, dass zur Zeit der k. und k. Monarchie in Pariser Restaurants die Rotweine aus Villány zu Preisen von Bordeaux Weinen angeboten wurden. Ja, es geht heute auch darum, den von der Natur geschenkten Möglichkeiten im Weinland Ungarn gerecht zu werden!
Die Qualitätssicherung hat im ungarischen Weinbau eine lange Tradition insbesondere zum Schutz des guten Rufs ihrer Weine. In 1737 wurde in der Region Tokaj weltweit die erste Lagenklassifikation und erstmals der Ursprungsschutz gesetzlich geregelt. Heute werden die dazu in der EU seit dem 1. August 2009 geltenden Regelungen konsequent umgesetzt.

2 Beobachtungen mögen den erreichten Fortschrift illustrieren. Blättert man in den Medaillenlisten großer weltweiter Weinmessen, da ist da wieder der goldene Glanz der besten Weine aus Tokaj oder Somló. Und auch einige Top-Weine aus Villány werden heute wieder von Weinliebhabern außerhalb Ungarns gezielt geordert.

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